„UND KEIN FRIEDEN“ Dokumentarfilm | 60 Min | A | 2016-2017

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70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs und des Nationalsozialismus leben wir in einer Zeit, in der offenbar immer mehr Menschen das Bedürfnis haben, diesen traumatischen Teil unserer Geschichte auf neue Weise zu erinnern. Nach den Fakten der Historie, nach der Würdigung des Leids der Opfer – und beides ist freilich noch nicht abgeschlossen – tauchen nach Jahrzehnten einer Kultur des Beschweigens immer mehr Erzählungen auf. Vor allem die dritte Generation, die „Kinder der Kriegskinder“, beschäftigt sich zunehmend interessiert und mutig mit der eigenen Familiengeschichte und nicht wenige erkennen dabei, dass die alten Schatten über die Generationen weiterhin wirken – dass ihre Eltern nicht in Frieden und sie selbst nicht frei sind.

In fast allen unseren Familien gibt es Geschichten von Traumatisierungen durch den Krieg, Geschichten von Angst, von Schuld und Scham, Vertreibungs- und Fluchtgeschichten. Und vielleicht erinnern uns die vielen Menschen, die derzeit bei uns Schutz vor Krieg und Gewalt suchen, an etwas, das die Großmutter, oder der Vater als kleines Kind, erlebt hat – und vielleicht lässt uns auch das mitfühlen mit diesen Menschen, oder sie von uns weisen.

Anhand der Lebensgeschichten und -herausforderungen von Menschen der zweiten und dritten Nachkriegsgeneration zeigt diese Dokumentation, was Psychotherapeut_innen und Altersforscher_innen im Lauf der letzten Jahre erkannt haben: wie wichtig es ist, individuelle Lebensläufe auch in gesellschaftlichen und historischen Zusammenhängen zu sehen.

„Es geht darum, nicht nur zu wissen, sondern sich auch erschüttern zu lassen, um zu trauern und die Vergangenheit zu akzeptieren, wie sie war, um schließlich gegenwärtiger sein zu können. Nicht akzeptiertes und integriertes Vergangenes hindert am Gegenwärtigsein, darüber belehren uns Psychoanalyse und Traumaforschung seit längerem und spirituelle Traditionen seit Jahrtausenden.“ [Die Traumatherapeutin Ulrike Reddemann in: „Kriegskinder und Kriegsenkel in der Psychotherapie. Folgen der NS-Zeit und des Zweiten Weltkriegs erkennen und bearbeiten – eine Annäherung“, Verlag Klett-Cotta, 2015]